Nachprüfungsanweisung

Bei einer Nachprüfung müssen die folgenden Punkte eingehend überprüft werden, da sie maßgeblichen Einfluss auf die Lufttüchtigkeit und das Flugverhalten deines Gleitschirmes haben.

  • Die Leinenlängen und Festigkeiten
  • Die Porosität und Tuchfestigkeit
  • Der allgemeine Zustand des Gleitschirmes inkl. sämtlicher Bauteile und Verbindungen

Der empfohlene Nachprüfintervall ist in der Bedienungsanleitung bzw. im Handbuch des jeweiligen Gleitschirmes angeführt.

1. Leinen

Leinenlängen

Die korrekte Leinenlänge ist entscheidend für die Lufttüchtigkeit des Gleitschirmes, da sie ihm die entsprechende Form verleiht.

Die angegebene Prüflänge der Leinen ist definiert als der Abstand von der Profilunterseite/Untersegel des Schirmes bis zur Innenkante des Schäkels der die Leinen mit den Tragegurten verbinden. Die Messung hat unter einer gleichmäßigen Leinenbelastung von 50 N zu erfolgen.

Die gemessenen Einzelleinenlängen sollten mit den Leinenlängen in der jeweiligen Tabelle Im Gleitschirmhandbuch übereinstimmen, als Toleranz ist +/- 10 mm zulässig. Ein Abweichung der Gesamtleinenlänge von +/- 50 mm von der Leinenlängentabelle ist akzeptabel. Daher ist es zulässig, wenn der gesamte Leinensatz, bis zu einem Maximalwert von 50 mm, länger oder kürzer ist. Die Wiederherstellung der korrekten Leinenlängen kann mittels Ein- und Ausschlaufen der Leinenloops vorgenommen werden.

Die Tragegurte sollten als Teil der Gesamtleinenlänge ebenfalls unter einer Last von 50 N gemessen werden. Die Maße der Tragegurte sollten mit einer Toleranz von +/- 5 mm mit dem Handbuch übereinstimmen.

Festigkeit

Die Reißfestigkeit der Leinen wird gemessen, indem die Last auf eine ausgebaute Leine langsam erhöht wird, bis die Leine reißt.

Der akzeptable Mindestwert ist wie folgt definiert:

  • Für die unteren A- und B-Leinen der ersten und zweiten Reihe (Innere und mittlere A+B Stammleine): [maximale Fluglast] x 8 / [Anzahl aller unteren A- und B-Leinen ohne Stabi]
  • Für die unteren C / D und E-Leinen (falls vorhanden) des ersten und zweiten Reihe (Innere und mittlere C+D+E Stammleine): [maximale Fluglast] x 6 / [Anzahl aller unteren C- D- und E-Leinen ohne Stabi]

Die gleiche Berechnung gilt für mittlere und obere Ebene (Fang- und Gallerieleinen). Der Mindestwert für die oberen Leinen (Gallerieleinen) beträgt 30 kg.

2. Kappe

Reißfestigkeit

Die Reißfestigkeit wird mit einem kalibrierten Bettsometer gemessen. Die Messung sollte in der Gleitschirmmitte, in der Mitte der Zelle am Obersegel erfolgen. Bei einer Belastung von 600 g darf der Riss eine Länge von 5 mm nicht überschreiten. Ein Ripstop-Faden des Tuches darf dabei auch nicht reißen.

Porosität

Die Porosität des Tuches wird mit einem kalibrierten Porosimeter gemessen. Es sollte an mindestens 3 verschiedenen Stellen auf dem Obersegels des Gleitschirmes in einem Abstand von 20 bis 30 cm von der Eintrittskante in der Mitte einer Zelle gemessen werden. Das Messen über eine Naht ist nicht zulässig.

Der Mindestwert nach JDC beträgt 10 Sekunden und nach Kretschmer 50 Sekunden. Liegt das Messergebnis unter 10 Sek. bzw. 50 Sek. muss der Gleitschirm flugtechnisch beim Hersteller geprüft werden.

3. Visuelle Überprüfung aller Bauteile

Reißfestigkeit

Alle Komponenten des Schirms müssen visuell überprüft werden: Zellen, Nähte, Rippen, Diagonalrippen und Bänder, Kunststoffstäbchen, Laschen, Leinen, Spleiße, Tragegurte, Rollen, Schäkel, etc.

Jedes beschädigte Bauteil sollte gemäß den Angaben des Herstellers repariert oder ausgetauscht und im Wartungsprotokoll vermerkt werden.